Mittwoch, 23. September 2015

Die Trans-Evidence-Working-Group

Seit meinem letzten Blogeintrag sind nahezu 15 Monate vergangen. Der Grund für diese längere „Blogpause“: Ich war und bin am Aufbau eines neuen, internationalen  Trans-Netzwerks beteiligt, nämlich der Trans-Evidence-Working-Group.

Dieses internationale Netzwerk stellt etwas Neues dar. Bisher waren die Trans-bezogenen Wissenschaften fest in der Hand sog. "Fachleute" aus Sexologie, Psychologie, Psychiatrie und anderen „Fächern“. Die eigentlichen Fachleute, die transsexuellen Menschen selbst, kamen und kommen in dieser „Fachwelt“ vor allem als Objekte der Begutachtung vor. Zwar gibt es vereinzelt Ärzt_innen, Psycholog_innen usw., die ihren transsexuellen Hintergrund transparent machen, ein wirkliches Movement stellen diese jedoch bisher noch nicht dar. Teilweise wird sogar auf der Seite der Psychopathologisierer mitgetan, was in meinen Augen  eher selbstfeindlich ist. Die Trans-Evidence-Working-Group hingegen setzt sich vor allem aus trans-engagierten und trans-bewussten Menschen zusammen, mit Wurzeln im Gesundheitswesen und der TS-Beratung. Die Aktiven von Trans-Evidence setzen sich dafür ein, dass der gesellschaftliche Umgang  mit transsexuellen Menschen von 4 Paradigmen bestimmt wird, nämlich 
  1. Menschenrechtsorientierung statt Transphobie und Diskriminierung
  2. Orientierung an den Prinzipien der Evidenzbasierung (Medizin und Sozialwissenschaften) statt Fixierung auf Ideologien und Stereotypen
  3. Gesundheitsorientierung statt Pathologisierung
  4.  Verständnis von Transsexualität als Neurointersexualität und nicht als psychische Störung/Krankheit.
Damit hat sich weltweit erstmalig ein Netzwerk von genuin Trans-Aktiven gebildet, das sich in die Trans-Wissenschaft als Gruppe über die Evidenzbasierte Medizin und Sozialwissenschaften aktiv einbringt. Es ist nämlich wichtig, dass den Organisationen von trans-aktiven Menschen eine wissenschaftlich gestützte Expertise zur Verfügung steht, die sich als Gegenentwurf zu den trans-bezogenen – als „wissenschaftlich“ gelabelten – Behauptungen und Unterstelllungen des Transgender-Business und seiner universitären bzw. fachgesellschaftlichen Filialen versteht.   

Der Aufbau des Netzwerks ist gut vorangekommen: Ein bedeutsamer Kongress steht vor der Tür, informative Webseiten sind entstanden, die ersten Publikationen und systematischen Reviews sind in Vorbereitung. Derzeit werden Online-Kurse über Evidenzbasierte Medizin (mit Transbezug) erstellt, die Vernetzung mit den internationalen Evidenzmedizinischen Netzwerken und neurowissenschaftlichen Fachgesellschaften hat erfolgreich begonnen. Auch bezüglich Beratung und Casemanagement wird ein neues sich auf Evidenzen stützendes Konzept entwickelt.
Es gibt also viel zu tun …



Nähere Informationen zur Trans-Evidence-Working-Group finden Sie auf den Webseiten des Netzwerks.