Mittwoch, 14. November 2012

Vortrag in Wien


Vor wenigen Wochen, am 18.10.2012, hielt ich bei der Fachkonferenz Trans*Identitäten den Vortrag:

Sie sind ihr Gehirn – 

Transsexualität im Spannungsfeld von Neurowissenschaft und Transphobie“ 


Die WASt (Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweise) lud mich ein, zu meinen bisher veröffentlichten Publikationen Transsexualität einen Vortrag zu halten, da auch wichtige hiesige Diskussionspunkte berührt würden:
  • kontroverse Depathologisierungsdiskussion der Community (teilw. sehe man die Kostenübernahme medizinischer Behandlungen in Gefahr!)
  • Entwicklung menschenrechtskonformer Behandlungsempfehlungen
  • bisher erfolglose Novellierungsbemühungen (trotz „ExpertInnengremium“) der „Empfehlungen für den Behandlungsprozess von Transsexuellen in Österreich“ aus dem Jahr 1997: Empfehlungen 1997
Die Zielgruppe der Fachtagung war breit gestreut: Interessierte, die sich mit dem Thema noch eher wenig beschäftigt hatten, Community AktivistInnen, transbewusste Menschen, BeraterInnen und PsychotherapeutInnen. Bunt gemischt also.

Ebenso vielfältig waren die Reaktionen auf meinen Vortrag: Ausgeprägtes Informationsbedürfnis, Begeisterung, aber auch Ablehnung (besonders bei politischen Entscheidungsträgern und manchen „ExpertInnen“).

Meinen ausformulierten Vortrag finden Sie hier: Download Vortrag 

Kommentare:

  1. Danke, lieber Herr Dr. Haupt für diesen sehr verständlichen Vortrag und die Zusammenfassung von "Sie sind ihr Gehirn...".
    Ein wenig mehr Belege hätte ich nur gerne für ihre Behauptung auf S.3.: "Ein wichtiger Motor war die Kirche, die den Niedergang der Sitten und Verfall der Moral kommen sah." So sehr ich Sie als Wissenschaftler schätze, fehlt mir hier die nötige Genauigkeit im Blick auf die (Kirchen)geschichte: Welche Konfession meinen Sie, wenn sie "die" Kirche schreiben? Zur Zeit der Restauration gab es ja bei weitem nicht nur die kath. Kirche, die evang. Kirche und die verschiedensten anderen Konfessionen, sondern innerhalb dieser auch ganz unterschiedliche Vertreter. Die Restauration war m.E. vor allem eine Gegenbewegung gegen den Wunsch nach mehr Freiheit, wie er sich vorher deutlich zeigte und diente primär der Erhaltung und Stabilisierung der politischen Machtverhältnisse. Dass sich dabei auch manche Kirchenvertreter instrumentalisieren ließen, will ich nicht bestreiten - aber es gab immer auch kritische Gegenbewegungen und Persönlichkeiten, die eben nicht dem ausufernden Kapitalismus einfach zusahen. Man denke an die Gründer der Diakonie, denen die Not der Menschen genauso wenig egal war, wie heute die Not der TS Ihnen egal ist...
    Und zum Begriff der "Entartung": Wo finden Sie den bei Kirchenvertretern um 1860? Ist das nicht vielmehr ein Begriff, der geprägt wurde vom Darwinismus und dann vom Nationalsozialismus aufgegriffen wurde? Darwin hatte ja über die "Entstehung der Arten" sein Hauptwerk geschrieben. Der französische Psychiater Benedict Augustin Morel (1809-1873) und der Psychiater Valentin Magnan haben vorhandene Konzepte Darwins und anderer Biologen dann in Richtung einer "Entartungslehre" umgemünzt - und die Kirche war daran m.W. nur wenig beteiligt. Sehr lesenswert ist dazu der Wikipediaartikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Entartung_%28Medizingeschichte%29
    ---
    Ansonsten möchte ich Sie nicht kritisieren, sondern Ihnen herzlich danken für Ihren unermüdlichen Einsatz und hoffe, dass Sie auch andere Psychiater und Ärzte finden, die uns Betroffene wirklich auf Augenhöhe sehen und mit denen zusammen ein Netzwerk aufbauen können...
    LG
    Dorothea

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  2. Hallo Dorothea

    danke für Ihren netten Kommentar.

    Studien über den Zusammenhang von Benedict Morels Degenerationstheorie und den damaligen zeitgenössischen religiösen Auffassungen gibt es reichlich und fanden bereits auch Eingang in die Literaturwissenschaft (z.B. Katrin Max: Niedergangsdiagnostik. Zur Funktion von Krankheitsmotiven in Buddenbrooks. Frankfurt/M. 2008).

    Die aktuellste Arbeit dürfte sein: Danja Nüesch: Bénédict Morels Degenerationstheorie. Eine religiös fundierte, wissenschaftliche Theorie in einem Zeitalter der Säkularisierung ‐ Ein Beitrag zum Verhältnis von Wissenschaft und Glaube im 19. Jahrhundert. Lizentiatsarbeit. Zürich, 2011/2012.

    Nüesch belegt, dass Morel als tief religiöser Mensch das Religiöse über die Entartungstheorie rehabilitieren wollte (Daher mein Satz: „Die Medizin stand der Kirche zur Seite und erfand die Entartung.“) Es ging um die Brutstätte Psychiatrie, nicht um die Kirche. Das ist ein eigenes Kapitel: LGBT und Kirche. Ob Kardinäle oder etwa preussische Konsistorialräte Schwule, Lesben oder transsexuelle Menschen um 1860 als gesunde Geschöpfe betrachtet hätten/haben – wer will das wissen? Ich bin da skeptisch, wenn ich sehe wie schwer es LGBT-Leute heute in den beiden grossen Kirchen haben.

    Liebe Grüsse

    Horst Haupt

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  3. http://www.geo.de/GEO/heftreihen/geo_wissen/die-lebensmitte-73345.html - die haben leider Ihren Aufsatz noch nicht gelesen, sonst wäre der Titel sicherlich präziser formuliert worden... - was würden Sie als Titel für so einen Journalisten vorschlagen?

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  4. Lieber Herr Dr. Haupt,
    Sie schreiben in einem Kommentar zu "Sie sind ihr Gehirn":

    "Es gibt meiner Meinung nach kein männlich oder weiblich, weder hormonell, hirngeschlechtlich, chromosomal-genetisch-epigenetisch, gonadal oder genital. Es gibt nur männlich bis weiblich. Grosse Penisse, Minipenisse, Androgen-Rezeptorvarianten, genetische Polymorphismen, viele Zellen im Bed-Nucleus, nicht so viele Zelllen im Bed Nucleus … Bei jedem Menschen eine bunte Mixtur. Jede/r von uns ist irgendeine intersexuelle Zwischenform, ob TS oder nicht. TS sind besondere Sammlungen dieser Varianten. Auch Persönlichkeiten können männlich bis weiblich sein. Irgendwo auf dem Spektrum findet sich jeder von uns wieder. Das ist zu akzeptieren, wie und wo es eben ist. Aus neuropsychologischer Sicht haben Handlungen kein Geschlecht, das Denken aber auch nicht. Die Exekutivfunktionen und das Gedächtnis kennen ebenfalls kein männlich oder weiblich."

    Ich verstehe ja Ihre Aussage - doch: Warum empfinden dann TS mit sich selbst ein Problem. Eigentlich bräuchte man dann doch gar keine Angleichung, wenn sowieso jede Zwischenform zwischen männlich und weiblich "gleichberechtigt" nebeneinander existiert?
    Ist TS nicht letztlich ein Leiden daran, dass einem innerlich was signalisiert: nicht genug männlich / weiblich im Blick auf z.B. Hormonstatus / Genitale...?

    Vielleicht können Sie das noch genauer erklären?
    Danke!
    Herzliche Grüße!
    Dorothea

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    1. Liebe Frau Dorothea
      bei transsexuellen Menschen sind besondere Varianten am Werk. Es gibt mehrere Geschlechtsaspekte mit ihrem jeweiligen Spektrum von männlich bis weiblich
      hirngeschlechtlich
      hormonell
      chromosomal
      genetisch-epigentisch
      gonadal
      genital.
      Bei transsexuellen Menschen kontrastiert die Position auf dem hirngeschlechtlichen Spektrum mit der Position auf anderen Spektren. Oft weisen einige Spektren zudem „Uneindeutigkeiten“ auf (intersexuelle Aspekte). Beispiel: transsexuelle Frau mit Hirngeschlecht deutlich in Richtung weibliches Spektrum, Genitalien eher in Richtung männlich, aber dazu kommen noch überlange ineffiziente Testosteron Rezeptoren (ähnlich wie „mild androgen insensivity syndrom-MAIS“), also einer intersexuellen Ausprägung im hormonell-genetischen Spektrum. Obwohl die Chromosomen eher dem männlichen Spektrum zuzurechnen sind. Andere haben zuviel Anti-Müller-Hormon. Oder ... oder … Je tiefer die Biologie/Neurobiologie in die feinstrukturellen Gegebenheiten eindringt, desto mehr werden bei transsexuellen Menschen intersexuelle Varianten und Gegebenheiten erkannt. Dies sind keine Zusatzattribute: derzeit zeichnet sich ab, dass intersex conditions die Basis von Transsexualität darstellen, also das Fundament. Da wird es in den nächsten Jahren noch aufregende Forschungsergebnisse geben.
      Ein anderer Aspekt betrifft das Erleben der eigenen Hirngeschlechts-Körper-Diskrepanz. Legt man die alte Benjamin-Skala zugrunde, dann sind dies die transsexuellen Menschen im eigentlichen Sinn (Typ 6). Also diejenigen, die an ihrem Körper leiden und diesen dem Hirngeschlecht unbedingt angleichen müssen. Hier scheinen die Kontraste des Hirngeschlechtsspektrum zu anderen Spektren sehr ausgeprägt zu sein. Z.B. bestehen viele Polymorphismen, dadurch ineffiziente Testosteron-Rezeptoren, so dass das Gehirn nicht via Testosteron virilisiert wird. Wie bei allen polygenen Erbgängen macht's wahrscheinlich die Menge an Polymorphismen, also die Quantität, ob Trans*-light (Transgender, Cross-dresser, DWT usw.) oder „BD-BDS“-geprägte Core-Transsexualität resultiert. Dann kommen noch vermutlich, wie neueste Forschungen belegen, epigenetische Schalter hinzu, die die Body-Diskrepanz noch eindrücklicher ausfallen lassen. Man lese die interessanten Kommentare von Frau Lyn, die derartiges auf Erlebensebene genau beschreibt („Crepe“). Oder wie wir Neurowissenschaftler sagen: auf der Ebene der „Qualia“.
      Herzliche Grüsse
      Horst Haupt

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    2. Hallo Herr Dr. Haupt,

      mit "„BD-BDS“-geprägte Core-Transsexualität" meinten Sie "„bsBDS“-geprägte Core-Transsexualität" (also brain sex Body Discrepancy Syndrome) oder handelt es sich noch wieder um etwas Anderes?

      "Dann kommen noch vermutlich, wie neueste Forschungen belegen, epigenetische Schalter hinzu, die die Body-Diskrepanz noch eindrücklicher ausfallen lassen."

      Das ist ja interessant... - welche Forschungen meinen Sie genau? Gibt es dazu etwas im Internet zum nachlesen?

      Vielen Dank,

      liebe Grüße

      Keydie Lyn

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    3. Hallo Herr Dr. Haupt,

      mit der Benjamin-Skala habe ich ja auch so meine Probleme. Ich versuche das einmal am Typ 6 aufzuzeigen:

      TYP VI - Wirklich Transsexuell - Stark ausgeprägt

      1) Geschlechts-"gefühl" : Weiblich. Totale "psycho-sexuelle" Umkehrung.

      <<< Ich würde es bei mir eher als eine Art grundsätzliches Wissen bezeichnen, es ist einfach da. Es hat aber nichts mit dem Verstand zu tun und es ist nicht verdenkrationalisiert, also nichts, was so lange hin und her gedacht wird, bis es irgendwann so passt, wie man es sich wünscht.

      Bei mir hat es auch NICHTS mit einem Wohlgefühl zu tun, weil ich mir endlich erlaube ich selbst zu sein.

      Ich kann z. B. auch nackt und ungeschminkt ich selbst sein. Wichtig ist, dass ich dabei MEINEN weiblichen gesamten Körper spüre – je femininer, umso besser.


      2) Bekleidungsgewohnheiten und Sozialleben : Lebt und arbeitet üblicherweise als Frau. Keine Erleichterung durch "dressing". Geschlechtsstörung stark.

      <<< Na ja... - da ich ich selbst bin, lebte uns lebe ich auch als ich selbst. Aber ich verstehe schon, dass man das irgendwo einordnen will.
      Und wenn ich Lust gehabt hätte "als Mann" zu leben... - warum nicht? Hauptsache, ich fühle endlich meinen komplett weiblichen Körper.
      Eine Erleichterung hinsichtlich des Crepe durch sog. "dressing" fühlte ich tatsächlich nicht.

      Was ist hier mit Geschlechtsstörung zu tun? Dass ich angeblich geschlechtsidentitätsgestört bin?

      DIE Störung, die ich in meinem Sein fühle, ist die Body-Diskrepanz, die das Crepe auslöst. Und das Crepe wurde mit der Zeit immer stärker, bis ich förmlich überrollt wurde.


      3) Sexualobjektwahl und Sexualleben : Wünscht sich, in jungen Jahren, stark, Beziehungen zu normalen Männern als Frau. Später geringer Geschlechtstrieb. Heterosexuell, bisexuell oder lesbische Identifizierung. War eventuell verheiratet und hat Kinder.

      <<< Nein, ich wünschte mir in jungen Jahren keine Beziehungen zu normalen Männern. Ich wusste gar nicht, dass ich überhaupt AUCH auf Männer stehe.

      Hinsichtlich des Geschlechtstriebs: Wie sollte ich in meinem - für mich entstellten, weil maskulinen - Körper überhaupt MEINE Sexualität haben können?

      Nachdem ich meine Vulva hatte - und ja auch schon vorher, hatte ich viel zu wenig Testosteron im Blut, um überhaupt von mir aus Lust auf Sex zu haben. Solange Testosteron fehlte (aber ja, auch Frauen brauchen ausreichend Testosteron), brauchte ich immer Anstoß von außen. Von mir aus passierte gar nichts.

      Erst ging es also nicht, weil es sich für mich vollig falsch anfühlte, und später dann nur auf Anstoß von außen, weil Testosteron im Blut fehlte. Nicht einmal mehr Kopfkino hatte ich ohne Testosteron.

      Ich bin bisexuell.

      Ich habe keine Kinder gezeugt, weil ich es mental nicht konnte, es passte nicht. Gerne hätte ich ein Kind selbst geboren, aber es war mir nicht vergönnt. Irgendwie ist das sehr traumatisierend für mich.

      "War eventuell verheiratet" kann man dann auch ganz weg lassen, was hat das damit wirklich zu tun? Ich wollte mir damals beweisen, dass ich doch ein Mann bin und heiratete. Das ging dann aber gar nicht gut. Zudem wurde ich verkuppelt und nutzte nur die Chance. Von mir aus hatte ich da keinen Antrieb eine Partnerin zu suchen.


      Fortsetzung folgt...

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    4. Fortsetzung:

      4) Geschlechtsanpassende Operation (SRS) : Dringend gewünscht und üblicherweise erreicht.

      <<< Auf der einen Seite ist die SRS das i-Tüpfelchen, auf der anderen Seite ist es endlich soo wundervoll meine Vulva nicht nur in Phantomform zu fühlen, sondern sie auch anfassen zu können, sie wirklich zu spüren, wie sie gehört und auch endlich MEINE Sexualität haben zu können.
      Sicherlich... - ohne dass mein gesamter Körper ausreichend feminisiert ist, hilft mir eine Vulva zu haben auch nicht weiter.
      Aber alles zusammen... - es macht mich glücklich, gibt mir Kraft, gibt mir Selbstbewusstsein...

      Wie wäre es wohl erst, wäre mein gesamter Körper komplett durchfeminisiert und ich hätte meinen Uterus und meine Ovarien?

      Ich weiß... - nicht wenige Frauen verfluchen es, wenn sie ihre Menstruation haben und sie müssen aufpassen beim Sex nicht schwanger zu werden oder müssen die Pille nehmen usw.
      Ich kann es aber nicht ändern, dass ich diese Diskrepanz fühle. Womöglich würde ich es später genauso verfluchen, wenn ich sie endlich hätte... - oder würde womöglich noch ein Kind bekommen... - aber nur mit dem richtigen Partner und wenn ich gesund wäre.

      Ich BRAUCHE meinen komplett femininen Körper, dazu gehört auch meine Vulva.


      5) Hormon Therapie/Estrogen Therapie : Benötigt für teilweise Erleichterung.

      <<< Was heißt teilweise Erleichterung?
      Mein Körper braucht bioidentische Hormone, also Estradiol, Progesteron und Testosteron. Alles muss im richtigen Verhältnis zu einander stehen und je stärker die Feminisierung meines gesamten Körpers, umso besser. Es machte und macht mich einfach glücklich und es fühlt sich soo wunderbar an...
      Mit anderen Worten: Ich BRAUCHE einen, meinen weiblichen Hormoncocktail...


      6) Psychotherapie : Psychologische Führung oder Psychotherapie nur zur symptomatischen Erleichterung (nur auf die Symptome nicht auf die Krankheitsursache einwirkend).

      <<< Ich wollte nur sicherstellen, keinen Fehler zu machen... - trotz meines Wissens, dass ich eine Frau bin. Obwohl ich nicht zum verdenkrationalisieren neige, hätte ich mir das ja auch alles einbilden können und dass es das bsBDS gibt, dass das, was ich fühlte, das Crepe war, wusste ich ja auch erst später.

      Also ließ ich mich sozusagen auseinander nehmen, nahm mich selbst auseinander.

      Russisch Roulette zu spielen war mir zu gefährlich. Mehr Sicherheit hätte mir damals gegeben, wenn ich gewusst hätte, dass ich die Body-Diskrepanz (bsBDS) habe.


      7) Bemerkungen : Verachtet ihre männlichen Sexualorgane. Ernste Gefahr von genitaler Selbstverstümmelung oder sogar Selbstmord bei zu langer Frustration bevor SRS durchgeführt wird.

      Es war bei mir eher Verzweiflung. Ich sah etwas (Penis/Hoden), was irgendwie doch nicht da war und ich „fühlte“ etwas (Vulva/Vagina), was ich nicht sah bzw. nicht so fühlen konnte, wie es sein sollte.

      Ich wollte also eine Vulva/Vagina und nicht meinen Penis/Hoden weg haben. Das ist schon ein Unterschied, wie ich finde.

      Natürlich kann man manchmal nicht mehr ertragen, was man dort sieht und falsch fühlt, obwohl es in der Form gar nicht da sein sollte, wie man es sieht und fühlt.

      Man sollte hier aber schon differenzieren zu der Genitalverachtung, wie es sie aus anderen Motivationen heraus gibt.

      Aber heute gibt es ja keinen "Op-Zwang" mehr, von daher muss (sich) ja auch niemand mehr etwas vormachen, was nicht heißt, dass einige es nicht doch tun.

      Mit einer SRS löst sich eine restliche gesamtkörperliche Diskrepanz nicht in Wohlgefallen auf. Auch nicht die im Gesicht.

      Das Crepe macht einen auf Dauer fertig, weil es stark und immer present ist und dann liegt es i.d.R. sicherlich nicht alleine an einer fehlenden Vulva, wenn jemand den Suizid wählt. Der Einzelfall zählt.

      Feminin auszusehen bedeutet feminin auszusehen - auch und gerade im Gesicht - und nicht (teil-)maskulin und es geht dabei ganz sicher NICHT um einen Schönheitswettbewerb. Auch eine hässliche Frau sieht körperlich immer noch wie eine Frau aus.

      Liebe Grüße

      Keydie Lyn

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    5. Liebe Frau Lyn
      ich meine natürlich "BS-BDS". Das ist meiner Meinung nach die Kern-Transsexualität. Hegel würde sagen: Körperdiskrepanz ist das Wesen von Transsexualität.
      Zu den epigenetischen Schaltern: Es gibt eine brandaktuelle Arbeit von Rice und und Friberg, in der ein epigentisches Modell vorgestellt wird. Zwar bezogen auf Homosexualität, aber die Autoren betonen ausdrücklich, das Modell sei auch auf Transsexualität anwendbar. Wenn man den Text liest, leuchtet das auch unmittelbar ein.
      Sie finden den Artikel unter: http://scottbarrykaufman.com/wp-content/uploads/2012/12/Rice-et-al.-2012.pdf
      Wie alle epigenetischen Arbeiten nicht ganz einfach zu lesen. Aber sehr spannend. Aufregende Zeiten kommen auf uns zu.

      Herzliche Grüsse

      Horst Haupt

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    6. Liebe Keydie,
      Deine Beobachtungen bezüglich "Crepe" teile ich, auch wenn meine Biografie anders lief. Deshalb war für mich z.B. auch schon lange, bevor ich mich für eine Hormontherapie entschied, die Frage: Was, wenn das nicht ausreicht, um das Gesicht genügend zu feminisieren? Wie kann man eine FFS bezahlen? Welche Risiken gibt es da? Wie könnte man eine Versicherung davon überzeugen, dass eine FFS absolut nötig ist, weil der Leidensdruck trotz Hormontherapie und GaOP nach 4 Jahren immer noch viel zu hoch ist?

      Und was mich immer noch sehr belastet: Werde ich es mit der Stimme besser hinbekommen, als Frau wahrgenommen zu werden? In der Tat ist die GaOP nicht das Einzige und wenn man nur von der Differenz von Hirngeschlecht und Genitalgeschlecht spricht, ist das auch zu wenig, um unser Problem ausreichend zu erfassen. Aber diese sprachliche Differenzierung fand ich hilfreich im Dialog mit Menschen, die ich lieb habe und denen ich dadurch besser erklären konnte, was mit mir los ist.

      Deine Kritik am HBS-Schema finde ich berechtigt und hilfreich für die weitere Diskussion.

      Was mich noch interessieren würde ist die Frage, ob sich durch die Hormontherapie auch im Blick auf neuronale Strukturen und im Blick auf die sexuelle Orientierung (lesbisch - bisexuell - heterosexuell) etwas in der Wahrnehmung verändert. Das ist aber vermutlich ein so intimes Thema, dass man das besser in einem geschützten Forum (welches?) oder per Mail besprechen sollte...

      Konkrete Frage an Dr. Haupt: Gibt es Anhaltspunkte, dass die sexuelle Orientierung vor allem an dem Hormonstatus hängt oder noch mehr an immer schon vorhandenen neuronalen Verknüpfungen? (Mein Psycho meinte, dass sich die sexuelle Orientierung nicht verändert, aber ich habe auch von BS-BDS gelesen, deren Orientierung sich veränderte, obwohl sie vorher das nie dachten...)

      Was die Epigenetik betrifft, so erwähnte mein Psycho die Arbeit von Timo Nieder, die ebenfalls 2012 erschien und wohl auch für Menschen, die keine Molekulargenetik studiert haben, nur schwer lesbar ist (und selbst für ihn als Arzt nur schwer verständlich war).

      LG
      Jessica Huber

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    7. Liebe Frau Lyn

      noch ein Nachtrag.
      @Benjamin-Skala: Danke für die Konkretisierung. Das sehe ich auch so, inhaltlich ist das absolut überholt und widerspiegelt auch zahlreiche Klischees von Sexologen. Aber das absolut wertvolle an dieser Sklala ist das dahinterstehende Spektrummodell. Das muss man natürlich mit zeitgemässen Inhalten füllen. Und da liefert Ihr Kommentar eine Menge Anhaltspunkte.
      Ihre Einlassungen erinnern mich an das, was mir in der alltäglichen Betreuungsarbeit von den KlientInnen gespiegelt wird. Von KlientInnen mit Körperdiskrepanzerleben. Das betrifft die Mehrheit meiner KlientInnen. Leute mit TG-Orientierung gehen eher zu Sexologen.

      1) Geschlechtsgefühl: „ich bin Frau/Mann“ ist kein Gefühl, sondern grundlegende Gewissheit. Diese Gewissheit ist mit keinem Wohlgefühl verbunden, sondern mit Klarheit, innerer „Straffung und Aufrichtung“, Präsenter sein.

      2) Es gibt kein „als Mann/Frau leben“: das „Ich“ beginnt „selbst“ zu leben. Es geht um darum, Unverfälscht zu leben, eben sich in keiner Rolle mehr herumzuquälen.

      3) Sexualität: die meisten wünschen sich vor dem Inting gar nichts, sondern mühen sich ab, irren oft herum. Sexualität ist vor dem Inting eher Notdurft. Oft mit Unbehagen verknüpft.

      4) Die Body-Diskrepanz und das Leiden daran bezieht sich auf den ganzen Körper – in allen seinen Fasern. SRS ist wichtiger Teilaspekt. Mindest-Basic. Und auch das Ich/Selbst bezieht sich automatisiert auf den ganzen Körper.

      5) Hormone: wichtig wie täglich Brot, damit der Körper einen allerersten Anschluss ans Hirngeschlecht bekommt. Damit das Ich beginnt seinen Körper zu spüren.

      6) Psychotherapie: bringt Klarheit und Ermutigung, wenn eigene Körper-Diskrepanz zum Thema wird. Ich thematisiere das früh, um nicht unnötig Zeit zu verplempern. Das ist der wichtigste Anker, um die eigene Transsexualität zu leben. Wichtige Themen sind ausserdem Wegräumen von Sexologen-Klischees und Vorurteilen sowie Immunisierung gegen transphobe Attacken/Herausforderungen (auch soft vorgetragene).

      7) Verachtung gegenüber Genitalien gibt es bei manchen, meist gibt es dann noch zusätzlich psychische Probleme (etwa ein Drittel der KlientInnen). Die Mehrheit der KlientInnen erlebt bis zur Angleichung die Genitalien als Neutrum. Irgend wie da und doch nicht real. Es dauert oft etwas länger, bis KlientInnen das Basale, Fundamentale der Körperdiskrepanz erkennen/erleben. Es fällt ihnen dann wie „Schuppen von den Augen“.

      Herzliche Grüße

      Horst Haupt

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    8. Liebe Jessica,

      Ich habe kein Problem damit, auch intimere Dinge öffentlich zu schreiben, in der Hoffnung, auch anderen damit zu helfen.

      Zitat: "Was mich noch interessieren würde ist die Frage, ob sich durch die Hormontherapie auch im Blick auf neuronale Strukturen und im Blick auf die sexuelle Orientierung (lesbisch - bisexuell - heterosexuell) etwas in der Wahrnehmung verändert."

      Ob sich bei mir neuronale Strukturen verändert haben, weiß ich nicht.

      Ich wusste lange nicht, dass ich AUCH auf Männer stehe. Ich prüfte mich zwar auch hinsichtlich Homosexualität ab, jedoch konnte ich einem maskulinem Körper, den ich für mich als entstellt empfand - ohnehin nicht MEINE Sexualität haben.

      Sexualität mit Frauen war auch selten, die männliche Sexualität, in die ich ja aufgrund meines Körpers hinein gedrängt wurde, fühlte sich für mich völlig verkehrt an... - und äußerst seltsam.

      Wenn ich es mir dann selbst schön gemacht hatte, dann war es i.d.R. nicht anders, als ich es jetzt mache, wo ich eine Vulva habe.
      Zudem war damals schon Stimulation auch nur mit dem für mich lustvollen Gedanken möglich vaginal ausgefüllt zu sein, obwohl ich damals weder Vulva noch Vagina hatte.

      Hinsichtlich sexueller Stimulation und Sexualität ist mein Gehirn offensichtlich komplett feminin ausgerichtet.

      Noch vor Beginn der Hormontherapie... - sozusagen in der Selbstfindungsphase (ich wusste, ich bin eine Frau, mein Verstand torpedierte laufend dagegen, sodass ich zunächst dem Irrtum aufsaß, es hier mit weiblichen (die Gewissheit eine Frau zu sein) und männlichen Anteilen (mein Verstand, der es nicht wahrhaben wollte) zu tun zu haben) wurde aus dem Teil, der mich, während ich es mir schön machte, der mich sozusagen virtuell ausfüllte, plötzlich ein ganzer Mann... - allerdings ohne gesicht.

      Ich war wie vor den Kopf geschlagen von dieser Erkenntnis.

      Ohne meinen komplett femininen Körper hätte ich aber niemals mit einem Mann sexuell interagieren können. Ohne meine Vulva zu haben, meine Brüste, ohne meinen gesamten Körper überhaupt ausreichend fühlen zu können, wäre es für mich ohnehin nur ein stark eingeschränkter Spaß gewesen.
      Mit einer Frau konnte ich wenigstens kuscheln...

      Zwischendurch habe ich manchmal das Gefühl, dann doch nicht mehr auf Frauen zu stehen und mich nur zu ihnen hingezogen fühle, weil ich neidisch bin, neidisch, weil sie einen komplett femininen Körper haben und ich ja einen eher androgynen Körper.

      Aber ich habe doch auch immer wieder sexuelle Fantasien und erotische Träume mit Frauen. Von daher... :-)

      Was die sog. männlichen und weiblichen Anteile anbelangt...: nachdem mir ziemlich schnell klar war, wie das bei mir strukturiert war (s. o.), habe ich mich diesbezüglich nie mehr auseinander differenziert.

      Es gibt für mich keine männlichen und weiblichen Anteile bei mir und ich mache weder etwas als Frau noch als Mann, sondern immer nur als ich selbst.

      Ach ja... - in der männlichen Pubertät scheint weder mein Körper komplett durchmaskulinisiert zu sein, noch hatte sich meine Persönlichkeit komplett ausgebildet. Das kam erst mit der weiblichen Pubertät, nachdem ich endlich bioidentische Hormone bekam. Unter Androcur und Estradioltabletten wurde das nur minimal angestoßen. Ich hatte da auch ohnehin mit den starken Depressionen und den Aggressionen, die Androcur bei mir auslöste zu kämpfen.

      Meine Persönlichkeit wurde um Facetten, die tief in mir brach lagen, ergänzt und ich bekam Ecken und Kanten, die ich früher nicht hatte.
      Meine Persönlichkeit hat inzwischen stark gegensätzliche Facetten, ich kam aber niemals auf den Gedanken, diese getrennt voneinander auszuleben. Ich nehme mich da einfach wie ich bin.

      Meine Art zu denken, meine Art zu empfinden (abgesehen von der Beziehung zu meinem gesamten Körper, den ich heute ein gutes Stück weit annehmen und viel besser fühlen kann) haben sich nicht durch die HRT verändert. Hochsensibel war ich früher auch schon und auch hat sich meine Wahrnehmung der Umwelt (z. B. intensivere Farben etc.) nicht verändert.

      Liebe Grüße

      Keydie Lyn

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    9. Liebe Jessica,

      Bei mir war das Crepe mittlerweile so stark, das ich nicht mehr konnte. Ich brauchte einfach nur noch meinen femininen Körper (nicht nur auf das Genital beschränkt) und wenn meine Gesundheit nicht den Bach runter gegangen wäre, hätte ich mir eine FFS zur Not noch auch noch von meinem Gehalt zusammen sparen können. Ich hätte wohl auch ein Darlehen dafür bekommen. Oder ich hätte ggf. das Auto verkauft.

      Nun weiß man letztlich nie, was das Leben für einen bereit hält.

      Meine Stimme z. B. ist immer noch zu tief und krankheitsbedingt kratzig und rauh. Zeitweise schwillt mein Hals förmlich an und schmerzt - auch die Muskulatur (halt wie im Rest meines Körpers) und ich habe immer wieder Halsschmerzen. Und das kann auch jederzeit passieren, wenn ich zu lange spreche.

      Ich hatte 10 h Logopädie und krankheitsbedingt fiel es mir unglaublich schwer konzentriert mitzuarbeiten.
      Es ist nicht so, dass ich nicht weiblich klingen würde, wenn mein Hals, meine Stimmbänder dann auch mitspielen würden und ich auch ein wenig üben könnte.
      Wenn meine Logopädin mit ihrer Stimme leicht runter ging und ich leicht höher und wir es aufnahmen, waren wir auf einem Level und unterschieden uns kaum.

      Aber aufgrund meiner Erschöpfung, meines Konzentrationsmangels brach meine Logopädin die Logopädie ab, weil es so einfach keinen Sinn machte. Ich sah das leider auch so.


      Man kann natürlich auch mit der gesamten Feminisierung warten, bis das Crepe so stark ist, dass man sich um solche Dinge keine Gedanken mehr macht. Ich hatte das alles zu lange verdrängt. Nun gut... - diese „Übung“ hilft mir jetzt vermutlich dabei, dass die Schmerzen mich nicht wahnsinnig machen.

      Manche Menschen werden sich vielleicht niemals eine FFS leisten können, haben aber das Crepe und es wird ja nicht weniger über die Jahre, die man wartet.
      Hinzu kommt, dass die Virilisierung des gesamten Körpers fortschreitet, je länger man wartet. Es wird also immer schlimmer und schlimmer und schlimmer.

      Das kann jemand, der das Crepe nicht fühlt, natürlich nicht nachfühlen. Manche können es vielleicht verstandesgemäß nachvollziehen. Ich weiß nicht, auf welcher Ebene Dr. Haupt das macht.

      Und genau deshalb müssen wir den medizinischen Standard, die medizinische Hilfe, die WIR brauchen, also diejenigen, die das bsBDS haben, verbessern, sie an UNS orientieren und NICHT an jenen, die keine bis wenig medizinische Hilfe brauchen, weil sie KEIN Crepe fühlen und auch SO ALS FRAU LEBEN können.

      Und wenn eine Frau eine FFS braucht, weil das Gesicht einfach zu markant ist, zu maskulin ist und die HRT daran nichts ändern konnte, dann sollte das auch eine GKV-Leistung sein.

      Die meisten werden ohnehin keine somatischen Maßnahmen mehr wollen, weil sie ihren Körper mögen, wie er ist.

      Das ist ein Grund warum ich das Differenzieren nicht lassen kann.

      Dafür, dass manche Menschen Differenzierung mit Disqualifizierung gleichsetzen, kann ich nichts.


      Womöglich gibt es auch jene, die weniger stark ausgeprägte Disorders of sexual Developement (DSD) haben und dann das Crepe nicht fühlen.

      Die Frage (auch an Dr. Haupt) ist, ob sie dann auch wirklich Frauen sind, wenn sie keinen komplett femininen Körper brauchen?

      Jeder Mann kann behaupten, dass er ALS Frau FÜHLT oder WIE eine Frau FÜHLT, jede Frau kann behaupten, dass sie als Mann fühlt oder wie ein Mann fühlt.

      Ein Wohlgefühl zu fühlen, weil man jetzt Dinge tut, die man sich vorher nicht getraute zu tun, dass man sich endlich fallen lassen kann, dass man endlich so sein kann wie man ist, wenn man diese Dinge tut, bedeutet doch dann nicht automatisch, dass man gegengeschlechtlich fühlt...?

      Ich weiß ja, dass es nichts gibt, was es nicht gibt. Jedoch: wie will man DAS dann verifizieren, wenn kein Crepe vorhanden ist? Ich hätte dann diesbezüglich ja auch bei mir ein echtes Problem gehabt...

      Woran soll man das selbst festmachen, wenn man sich auch selbst nichts vormachen will, wenn nicht daran, dass man seinen komplett femininen (oder komplett maskulinen) Körper braucht oder eben den Körper mag, den man hat?

      Liebe Grüße

      Keydie Lyn

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    10. Lieber Herr Haupt,

      zum Thema Identität und Selbstdiagnose hinsichtlich "Transsexualität", möchte ich noch einmal folgenden Text einbringen:

      Jemand sagte in einem Forum:
      "Identität ist immer eine Frage der Selbstdefinition, keine Fremdeinstufung."

      Die Antwort:
      "Schon...

      Wenn ich mich aber als Drachen selbstdiagnstiziere, mich Grisu nenne, meine Haut entsprechend tätowieren lasse, noch ein wenig bodyforming durchführen lasse, dann lebe ich zwar in der Illusion Grisu der Drache zu sein, verhalte mich wie ich denke, dass Grisu der Drache sich verhält, aber in der Wahrnehmung aller anderen bin ich ganz gewiß nicht Grisu der Drache, weil alles, was ich für mich damit verbinde für alle anderen nur übergestülpt wirkt.

      Die Frage ist doch, wie lange sich unter solchen Bedingungen dann die eigene Illusion aufrecht erhalten lässt.
      Was passiert in dem Moment, wenn die Illusion zerbricht?"

      Liebe Grüße

      Keydie Lyn

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  5. lieber herr dr. haupt,

    ich habe ihre ausführungen, wie ich ihnen in unserem gespräch nach ihrem vortrag in wien bereits mitgeteilt habe, sehr genossen. endlich eine fülle von stichhaltigen argumenten für die depathologisierung der transsexualität. ich danke ihnen nochmals für ihre arbeit und ihr engagement.

    ich schreibe gerade an einem beitrag für eine psychotherapeutische zeitschrift.
    ich werde in diesem text in gebotener kürze auch auf ihre arbeit bezug nehmen und manche ihrer argumente zitieren.
    ich versuche darzustellen, dass auch aus psychotherapeutischer sicht und erfahrung sich transsexualität als gesunde variation und existenziell erfüllende möglichkeit darstellen lässt.
    ich hoffe, dass er angenommen wird.
    mit herzlichen grüssen
    cornelia

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    1. Hallo Cornelia,

      wird der Artikel auch ins Internet gestellt? Wenn ja, wo?

      Wenn nicht, um welche Zeitschrift handelt es sich? Mich würde der Artikel schon interessieren...

      Falls Sie hier nicht schreiben mögen, um welche Zeitschrift es sich handelt, erreichen sie mich über die E-Mail-Adresse, die ich in meinem Blog hinterlegt habe - relativ weit oben, rechte Seite (ich weiß nicht, ob es Herr Dr. Haupt mag, wenn ich meine E-Mail-Adresse direkt hier eintrage).

      Auf meinen Blog gelangen Sie, indem Sie auf meinen Namen über diesen Beitrag klicken und dann finden Sie ihn unter "Meine Blogs".

      Vielen Dank,

      liebe Grüße

      Keydie Lyn

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  6. Liebe Frau Cornelia

    Ihre Rückmeldungen bestärken mich, dafür danke ich Ihnen sehr.
    Man kann gegen Transphobie und/bzw. Entphatologisierung nur durch engagiertes Handeln vorgehen. Sie beweisen dies durch Ihr Tun.
    Wie heisst es doch: „Gemeinsam sind wir stark“.
    Vielen Dank und ganz liebe Grüsse

    H. Haupt

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  7. Der Vortrag gefällt mit gut. Wenn alle so denken würden wären wir einen reisen Schritt weiter.
    Tatsächlich sind Heute doch schon wieder andere, im Hintergrund, an neuen Richtlinien am stricken.
    Siehe: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/138-001.html
    Es scheint mir beklagenswert dass, fortschrittliche Mediziner wie sie z.B., wohl offensichtlich dabei außen vor bleiben sollen. Wäre ja schön wenn ich da irren würde. Atme ist im Zusammenhang jedenfalls nicht eingeladen worden.

    Venceremos

    Ina

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  8. Hallöchen!

    Ich habe mir den Vortrag genau durchgelesen und auch wenige Kommentare hier. Dazu muss ich sagen, dass alles im Vortrag zutrifft.
    Doch ist es traurig zu lesen, dass das 21.te Jahrhundert bei vielen Mediziner & Co bis heute nicht "evident" angekommen ist.
    Bereits in den 90er Jahren habe ich mich "falsch" in meinem Körper gefühlt, auch wenn es mal als Mann auch ganz witzig war. Aber dies anzusprechen galt als großes Tabu. Man sah aus wie Mann, man hat auch so zu sein als Mann - nichts anderes.
    Dies versetzte mich über gut 2 Jahrzehnte hinweg in einen Zwiespalt und "Borderline" wurde mehr oder minder bei mir diagnostiziert.
    Da wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, was genau mit mir los war.
    Ich möchte es kurz halten:
    Nach sehr vielen Jahren des Schmerzes, der Depressionen, Vorwürfen, des einfach nur großen Leides, fand ich selbst heraus, dass ich einfach so sein musste, wie ich wirklich bin - und dass dieses eine "Transfrau" ist, ja darauf wäre ich nie gekommen.

    Es war für mich wie eine Wiedergeburt und habe seitdem keine Rasierklinge mehr angefasst, auch wenn ab und an mal die Gedanken des selbstverletzenden Verhaltens noch durchschimmern.
    Ich fühle mich frei und glücklich, losgelassen und zwanglos, einfach nicht mehr unter Druck gesetzt.

    Somit stelle ich für mich fest, dass ich gar kein Borderline haben kann (bedingt vielleicht, da mein Verhalten diese "Krankheit" vermuten lässt), sondern ich verletzte mich selbst, weil ich einfach nicht wusste, wer ich war, was ich bin und wie ich werden sollte.

    Das Leben kann nicht einfacher sein, bis auf die Stressereien mit den Behören & Co.! Es ist eine Schande für die Welt, im 21.ten Jahrhundert noch immer so zu denken, zu handeln und zu "vermuten", wie noch vor 2 Jahrhunderten.

    Daher gehe ich meinen eigenen Weg und führe meine eigene Hormonersatztherapie an, mit Präparaten aus dem EU-Nachbarland.
    Somit können mich alle quasi kreuzweise, für wenigstens ein Jahr, bevor ich mich dem Stress und dem Druck der Behörden freiwillig aussetze.

    So fühlt es sich also an: Psychisch krank in Deutschland.
    Und erzählt man etwas aus dem Vortrag dem Therapeuten, wird man für bekloppt erklärt.
    Wo bitte soll das alles noch hinführen?

    Warten wir mal bis 2015. Dann sollen ja "neue Behandlungsmethoden" existieren.
    Wer's glaubt!
    Ich jedenfalls nicht.
    Die manifestierten Gedankenmuster vieler Psycho-Dok's sind fast unüberwindbar.
    Und ich habe in meinem Leben schon vieler solcher "Wunderdoktoren" kennen gelernt - nicht zu meinem Vorteil!

    Hut ab, Herr Dr. Haupt und weiter so!
    SIE sind der RICHTIGE Mensch in vielen unserer weiblichen Herzen!♥ ;-)

    Liebe Grüße, Kay

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    1. Hallo Kay
      das Borderline-Etikett sollten Sie schnell wieder in der Mottenliste verschwinden und sich keinesfalls ans oder ins Hirn picken lassen. Persönlichkeitsstörungen sind eine alte Klamotte der Psychiatrie, viele Psychiater hängen noch an diesen maroden Etiketten. Eine Reihe von bekannten Psychiatern und PsychotherapeuInnen vertritt die Meinung, es gebe überhaupt keine Persönlichkeitsstörungen. Dazu zählt auch der Grand Old Man der deutschen Verhaltenstherapie Hans Lieb. Das Etikett Persönlichkeitsstörung, so Lieb, verstelle eher den Zugang zum individuellen Menschen, schaffe eine diskriminiernde Barriere. Und auch wissenschaftlich sind die Persönlichkeitsstörungskonzepte in den letzten zwei Jahrzehnten in Verruf geraten: bei der Mehrheit der so Diagnostizierten lässt sie sich zwei Jahre später nicht mehr diagnostizieren (s. Tracie Shea 2004: Two-Year Stability and Change of Schizotypal, Borderline, Avoidant, and Obsessive–Compulsive Personality Disorders).

      Die meisten transsexuellen Menschen durchleben vor und/oder der während des Entfaltungsprozesses psychische Turbulenzen, auch Krisen, bei manchen gehören Rasierklingen dazu. Dabei spielen die transsexuellenfeindlichen gesellschaftlichen Strukturen eine bestimmende Rolle. Die meisten Trans-Psychos, vor allem Sexologen und "Trans-Psychoanalytiker", verdrängen das, tun nichts gegen diese Gewalt, die transsexuellen Menschen angetan wird, sondern verdoppeln sie, in dem sie transsexuellen Menschen das psychisch(persönlichkeitsgestört)Etikett umhängen. In ihren Ausschüssen und Arbeitskreisen wird immer dieselbe Suppe gekocht wie in den 1970ern. Es wird 2015 nicht Neues geben, man wärmt die alten Sachen auf. Es geht um psychisch gestörte Gender-Dysphoriker und deren weitere Demütigung durch Alltagstest, Gutachten & Co. Es ist eine Frage der Zeit, bis auch dieses letzte Aufbäumen der Sexologen und Trans-Psychoanalytiker verklungen ist. Sie versuchen vom alten Plunder zu retten was noch möglich ist. Dessen Wichtigkeit neigt sich dem Ende zu. Das Transssexuellengesetz, einst der ganze Stolz von Herrn Sigusch & Co, bekommt immer mehr Löcher.

      Es ist entscheidend, das Wertvolle, das Sie in sich jetzt bewusst wahrnehmen/erleben, sich weiter entfalten zu lassen. Das ist das einzige Weg, der Glück bringt. Es ist manchmal gut die Archive einfach zu schliessen. Böse Geister verziehen sich wieder :-)

      Herzliche Grüsse

      Horst Haupt

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  9. Lieber Herr Dr. Haupt,
    Haben Sie schon die Zusammenfassung der Forschungsergebnisse auf der ATME Website gesehen? Hier mal der Link: http://atme-ev.de/images/texte/transsexualitaet/warum%20sind%20manche%20menschen%20transsexuell_%20-%20atme.pdf
    Viele Grüße!
    Dorothea

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    1. Liebe Dorothea
      danke für den Hinweis.
      Ich finde diese ATME-Publikation sehr gelungen und hilfreich -- gerade für transbewusste Menschen, die zunächst sich ja grundlegend informieren wollen. Der Text ist gut verständlich geschrieben und journalistisch gut aufbereitet. Eine gute Knowledge-Base auch für Medienleute zum Thema Trans*.

      Herzliche Grüsse
      Horst Haupt

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  10. Ich möchte einen sehr großen Dank und Anerkennung für Dr. Usobo zurückzubringen mein Mann, der mich verlassen und die Kinder für fast zwei Monate zu sagen. Ich bin sehr dankbar, dass Dr. Usobo, die mein Mann wieder zu mir innerhalb 3days gebracht. Ich bete zu Gott allmächtig Sie die Kraft und Weisheit zu geben, um mehr Menschen helfen, die ähnliche Probleme wie ich. drusobospelltemple@gmail.com

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  11. Das ist ein sehr interessanter Vortrag. Vielen Dank! Beiläufig gesagt, entdecke gerade Datenraum mieten

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