Samstag, 6. Oktober 2012

Das Urteil


Transphobie ist nicht nur eine „Einstellung“ Einzelner, sondern ein mächtiger gesellschaftlicher Diskurs, der nach wie vor Medizin, Kultur und auch Alltagsbeziehungen bestimmt. Und eben auch die Rechtssprechung.
Die Befangenheit von Gerichten kann soweit gehen, die Inhalte von progressiven Guidelines wie den „Altdorfer Empfehlungen“ völlig zu verdrehen und sie für das transphobe juristische Alltagsgeschäft zu missbrauchen.

So geschehen in einem Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg im Januar 2012. In diesem Urteil wird behauptet, bestimmte medizinischen Inhalte und Sichtweisen der Altdorfer Empfehlungen – wie Entpathologisierung der Transsexualität und Verständnis als einer gesunde Normvariante – könnten dazu führen, dass künftig die Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung für eine operative Behandlung aus dem durch Transsexualität bedingten Leidensdruck verneint und eine solche Behandlung dann der Eigenverantwortung zugewiesen wird. 

Damit wird der Sinn und Zweck der Altdorfer Empfehlungen quasi pervertiert.

Um derartige „Missverständnisse“ auszuräumen, habe ich ein Paper mit dem Titel „Sie sind Ihr Gehirn – in einem falschen Körper“ verfasst, das die Auffassungen des Gerichts zum Thema Transsexualität einer eingehenden neurowissenschaftlichen Analyse unterzieht.
Veröffentlicht wurde das Paper vom Schweizer Verein trans-evidence, welcher sich zum Ziel gesetzt hat, zur wissenschaftlichen Entmythologisierung von Transsexualität beizutragen. 

Zu meinen bisherigen Veröffentlichungen ist anzumerken:

  1. Das Paper „Sie sind Ihr Gehirn – in einem falschen Körper“ ist zugleich Antwort auf die Frage: „Was ist Transsexualität?
  2. Das WHO-Paper geht eher darauf ein, was Transsexualität nicht ist, nämlich keine psychische Störung.
  3. Die Altdorfer Empfehlungen thematisieren, was bei der Begleitung und beim Coaching transsexueller Menschen zu tun bzw. zu unterlassen ist. 

Am 18.10.2012 findet in Wien die Fachkonferenz"Trans*Identitäten" statt, bei der ich ein Referat zum Thema
Sie sind ihr Gehirn - Transsexualität im Spannungsfeld von Neurowissenschaft und Transphobie“ halte und einen Workshop („Aspekte des medizinischen Case-Managements. Trans*-Betreuung ohne transphobe Scheuklappen“) gestalte/moderiere. Alle drei Papers sind meine „inhaltliche Hintergrundsfolie“ für diese Veranstaltung.


Das Paper „Sie sind Ihr Gehirn – in einem falschen Körper“ finden Sie zum Downloaden unter folgendem Link: