Sonntag, 27. August 2017

Eine bemerkenswerte Tagung

Am 4. und 5. August fand in Darmstadt die erste internationale TransEthik-Arbeitstagung (mit TeilnehmerInnen aus 5 Ländern) statt. Eingeladen hatte das Institut für Theologie und Sozialethik (iths) der TU Darmstadt und die Deutsche Gesellschaft für Health Consumer Ethics (DGHCE).
Ziel: Den transethischen Diskurs zu eröffnen, hin zur primären Grundsatzfrage: Was ist meine grundsätzliche ethisch-moralische Position zu Menschen mit Transsexualität? Es wurde bei den Einladungen der Mitdiskutierenden Wert auf Interdisziplinarität gelegt.

Prof. Udo Rauchfleisch (Basel) reflektierte ethisch seine 45-jährige Praxis als Transitionsbegleiter, zeigte die vielfältigen Wandlungen und hautnah erlebten ethischen Widersprüche auf. Dr. Bart van de Ven (Antwerpen) schilderte die ethischen Prinzipien der Fazialchirurgie und ihre ethischen Dilemmata. Dr. Erik Schneider (Luxemburg) beschrieb in einem sehr berührenden und engagierten Beitrag die ethischen Grundkonflikte beim Thema TransKinder. Prof. Maier-Höfer (Darmstadt) gab Einblicke in ihr TransKinder-Forschungsprojekt und die dahinterstehenden Überlegungen, das von der Konzeption her unserem Autographenprojekt sehr ähnlich ist. Prof. Lukas  Ohly (Frankfurt/Main) skizzierte die Zusammenhänge von Ethik, evidenzbasierter Medizin und Transsexualität aus philosophischer Sicht. Mein Beitrag ( beschäftigte sich speziell mit dem Werk eines Philosophen, nämlich Emmanuel Levinas und seinen bahnbrechenden ethischen Konzepten, wobei ich versuchte zu skizzieren, inwiefern sie beim Thema Transsexualität relevant sind.
Danach fanden wir uns spätabends ziemlich erschöpft in der Hotel-Bar zu einem gemütlichen Ausklang. Die Diskussionen gingen weiter …

Nächster Tag: PD Dr. Kurt Seikowski (Leipzig) eröffnete sehr eindrücklich mit persönlichen ethisch-moralischen Statements zum Spannungsfeld von Transsexualität, Ethik und Sexualwissenschaft. Prof. Livia Prüll (Mainz) zeigte medizin-ethische Perspektiven der „Parallelwelt“ transidenter Menschen auf. Die Psychotherapeutin Mag. Cornelia Kunert (Wien) skizzierte in ihrem Beitrag die paradigmatische Wende hin zur „Erste-Person-Perspektive“ bei der Behandlung transsexueller Menschen. Jack Walker (St. Gallen) beleuchtete in einem sehr persönlich gehaltenen Beitrag die vielfältigen, komplexen Zusammenhänge von Trans*, sozialer Arbeit und Ethik. Dr. Gerhard Schreiber (Darmstadt) gab einen sehr spannenden Überblick über die Bemühungen der Theologen sich dem Thema Transsexualität anzunähern.
Als Vertreterinnen von Trans-Organisationen waren Petra Weitzel (dgti) und Alexia Kutschmar (trans-evidence) gekommen und haben sich erfolgreich in die Diskussionen „eingemischt“. Danke Petra und Alexia.
Fazit von Petra: „Gerne Wieder, es war eine sehr angenehme Atmosphäre, so macht die Arbeit Spaß. Und der Abend natürlich auch“.
 
Fazit der Tagungsteilnehmer_innen: Das Konzept einer Arbeitstagung mit offenen, fachlich spannenden und engagierten (Ethik!) Diskussionen hatte sich bewährt, die Atmosphäre der Tagung war förderlich, „gut“ und inspirierend; die Lust auf Folgeveranstaltungen ist ungebremst. Alle freuen sich auf die Buchveröffentlichung. Voraussichtliches Thema im nächsten Jahr: „Der transethische Zusammenhang von Peer-Begleitung, Therapie und Seelsorge“.
Nachtrag: Der Name des Tagungsorts „Welcome-Hotel“ wurde von den Teilnehmer_innen als treffendes Symbol für die Tagungsatmosphäre erachtet.
Also – Welcome 2018 in Darmstadt.

Liebe Grüsse – nach zwei sehr eindrücklichen und überdenkenswerten Tagen
Claudia Haupt (Luzern)

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